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Run auf gute Fachkräfte: Seltene Chance auf Pole Position!
Der Fachkräftemangel in Deutschland scheint sich zu entspannen. Das Handelsblatt meldete Mitte Juni, der Fachkräftemangel in Deutschland habe sich seit seinem Höhepunkt vor knapp vier Jahren mehr als halbiert, und bezieht sich dabei auf entsprechende Aussagen der staatlichen Förderbank KfW. Doch die aktuelle Entlastung basiert vor allem auf kurzfristigen, konjunkturellen Effekten. Dirk Schumacher, Chefökonom der KfW, prognostiziert in dem Artikel: Sobald sich die Konjunktur wieder erholt habe, dürfte das Problem zurückkehren. Dies bedeutet eine Chance für die Fitness- und Gesundheitsbranche!

Gleichzeitig erklärte Bundesbankpräsident Joachim Nagel anlässlich der neuen Deutschland-Prognose der Bundesbank: „In unserem Prognosezeitraum bis 2028 gewinnt die Konjunktur wieder an Fahrt.“ Gestützt werde die Erholung durch „wieder sinkende Energiepreise, eine anziehende Weltwirtschaft und vor allem durch kräftige Impulse von der Fiskalpolitik“, so Joachim Nagel.
Oder ist die aktuelle Entspannung nur eine Atempause?
Die prognostizierte, spätestens mittelfristige, konjunkturelle Aufwärtsentwicklung wird den Fachkräftemangel auf der Problem-Liste der Unternehmen schnell ganz nach oben spülen. Zumal in Kombination mit der demographischen Entwicklung in Deutschland mit ihrer starken Überalterung und der daraus resultierenden Verringerung der erwerbstätigen Anteile der Bevölkerung, die in den nächsten Jahren das Rentenalter erreichen. Die ZEIT kündigte ebenfalls Mitte Juni gar ein Defizit von vier Millionen Arbeitskräften für einen Zeitpunkt in rund zehn Jahren an.
Spätestens ab 2027/2028 ist deshalb auf der Suche nach gutem Personal mit deutlich verstärktem Aufwand zu rechnen. Und dadurch mit zunehmenden HR-Kosten – zumindest für alle, die sich auf diese Entwicklung nicht intelligent vorbereiten und deshalb von der nächsten Welle des Fachkräftemangels unverhofft überrollt werden.
Strategie der zwei Geschwindigkeiten – PACE 1: In der schwierigen Zeit gegenüber anderen Branchen punkten!
Martin Schnetz, Vertriebsleiter des etablierten Aus- und Weiterbildungs-Unternehmens IFAA, kennt die Unternehmen im Fitness- und Gesundheitsmarkt: „Eigentlich befindet sich die Fitnessbranche in einer recht komfortablen Situation. Sie hat starke Argumente, um gerade bei jungen Menschen zu punkten: Sie ist wachstumsstark, krisenresistent, gesellschaftlich relevant und in Themenfeldern zu Hause, die immer wichtiger werden: Fitness, Gesundheit, Prävention und Lebensqualität.“
Die Eckdaten der deutschen Fitnesswirtschaft 2026 von Deloitte und dem Arbeitgeberverband DSSV belegen diese Stärke deutlich: „Mitglieder: 12,36 Mio.“, „Umsatz: 6,25 Mrd. EUR netto“, „Mitarbeitende: rund 167.100 Beschäftigte“. Allesamt Signale einer etablierten, längst erwachsenen und hoch relevanten Gesundheits- und Dienstleistungsbranche, die Berufseinsteigern eine stabile berufliche Laufbahn ermöglicht.
Junge Generationen spricht die Fitness- und Gesundheitswelt – im Gegensatz zu vielen anderen Branchen – mit zwei weiteren starken Argumenten an:
- Erfüllung! Sie bietet eine breit akzeptierte, sinnstiftende Arbeit, die Freude macht und menschlich erfüllend ist. Denn Trainer, Berater, Servicekräfte, Ausbilder und Führungskräfte helfen anderen Menschen dabei, gesünder, belastbarer und selbstbewusster zu werden.
- „KI-Resistenz“! Arbeit am Menschen durch hoch qualifizierte Arbeitskräfte ist in großem Maß „KI-resistent“. Thorsten Rebek, Geschäftsführer des Industrieverbands der Fitnessbranche DIFG: „KI kann Trainingsdaten analysieren, Prozesse automatisieren oder Verwaltungsaufgaben erleichtern – aber sie ersetzt nicht die persönliche Beziehung, die Motivation, das Vertrauen und die individuelle Betreuung auf der Trainingsfläche oder gar im Kursraum. Das können nur hoch qualifizierte, empathische Mitarbeiter.“
Strategie der zwei Geschwindigkeiten – PACE 2: Das Unternehmen auf die nächste Welle vorbereiten!
Unternehmen der Fitness- und Gesundheitsbranche sollten jetzt, da der branchenübergreifende Kampf ums Personal noch etwas leichter ist, ihre Personalstrategie robust aufstellen, schlägt eine Kasseler Anwaltskanzlei in ihrem Blog „Intelligent Accounting“ vor. Beginnend mit einer „realistischen Analyse, welche Aufgaben tatsächlich Fachkräfte erfordern und welche Aufgaben durch bessere Organisation, Standardisierung oder digitale Systeme vereinfacht werden können“.
Wie lassen sich Fachkräfte langfristig halten?
Auch Weiterbildung gehöre in den Kern einer modernen Recruiting-Strategie, so der anwaltliche Blog. Wer bestehende Mitarbeiter gezielt entwickelt, reduziert die Abhängigkeit vom externen Arbeitsmarkt – „gerade bei sich wandelnden Geschäftsmodellen oder digitalen Arbeitsweisen (…).“ Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales betont in seiner aktuellen Fachkräftestrategie, dass „eine gute Arbeitsqualität, sichere und gesunde Arbeitsbedingungen sowie eine mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur zentral“ seien, um Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu halten.
Woher sollen die Fachkräfte von morgen kommen?
Recruiting müsse deshalb breiter gedacht werden, signalisiert „Intelligent Accounting“: Über Ausbildung und duale Studiengänge, über Quereinsteiger, über bessere Karrierepfade, über die stärkere Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Beschäftigten sowie perspektivisch zunehmend über Fachkräfte mit internationalen Wurzeln.
Welche Folgen hätte eine falsche Entwarnung?
Thorsten Rebek, Geschäftsführer des Deutschen Industrieverbandes für Fitness und Gesundheit, verweist auf die Konsequenz einer Fehlinterpretation der aktuellen konjunkturell bedingten Verminderung des Fachkräfteproblems: „Wir legen jedem Unternehmen der Fitnessbranche – ob Fitness-Provider oder Zulieferer – nahe, eine langfristige Strategie für die Gewinnung, das hochwertige Qualifizieren und das Halten von Fachkräften zu entwickeln.“
Aus den aktuellen, konjunkturell bedingten Signalen des Arbeitsmarktes dürfe niemand falsche Schlüsse ziehen, so Thorsten Rebek: „Die Herausforderung, im Wettbewerb des branchenübergreifenden Arbeitsmarkts gut qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen, wird schon bald und mit doppelter Wucht wieder auf uns zurollen. Sofern in unserer ja nach wie vor konjunkturell gut dastehenden Branche in Bezug auf den Fachkräftemangel überhaupt von einer Entspannung die Rede sein kann.“
FAZIT: Jetzt strategisch handeln, um künftig den Wettkampf um gute Fachkräfte zu gewinnen
Experten betonen gleichzeitig die Bedeutung einer sogenannten „kritischen KI-Literacy“. Auszubildende müssen lernen, KI-Ergebnisse fachlich einzuordnen und kritisch zu hinterfragen. Gerade im Fitnessbereich ist das entscheidend. Trainings- oder Ernährungsempfehlungen einer KI können fachlich unpräzise, veraltet oder sogar gesundheitlich problematisch sein.
Auch automatisierte Kundenkommunikation birgt Risiken. Chatbots oder CRM-Systeme können zwar Serviceprozesse beschleunigen, reagieren jedoch nicht immer empathisch oder situationsgerecht. Deshalb müssen die Mitarbeiter – und auch Azubis – frühzeitig verstehen:
- Welche KI-Tools im Studio eingesetzt werden dürfen
- Welche Daten verarbeitet werden
- Wie Datenschutz eingehalten wird
- Warum Ergebnisse immer fachlich geprüft werden müssen
- Wo KI hilfreich ist – und wo menschliche Betreuung unverzichtbar bleibt
Besonders wichtig wird dabei die Fähigkeit, technische Empfehlungen verständlich und verantwortungsvoll an Mitglieder zu kommunizieren. Denn die Qualität eines Fitnessstudios entsteht auch künftig nicht allein durch Technologie, prognostiziert Vertriebsleiter Martin Schnetz und ergänzt: “Bei den Mitarbeitern wird nun vor allem auch die Fähigkeit der Mitarbeitenden immer wichtiger, Technik sinnvoll mit der persönlichen MENSCHLICHEN Betreuung zu verbinden.“
Wie verändert KI langfristig die Anforderungen an Fitnessberufe?
KI wird Fitnessstudios nicht ersetzen – aber sie verändert bereits heute, wie Studios arbeiten. Die Trainer, Berater und Studiofachkräfte der Zukunft benötigen deshalb nicht nur Fachwissen über Training, Gesundheit und Betreuung, sondern zunehmend auch digitale Kompetenzen.
Dazu gehören die Fähigkeiten,
- KI-gestützte Systeme sinnvoll einzusetzen
- automatisierte Ergebnisse fachlich zu kontrollieren
- digitale Prozesse zu verstehen
- Daten verantwortungsvoll zu bewerten und
- KI sinnvoll mit menschlicher Betreuung zu kombinieren
FAZIT
„Gerade Azubis können zu wichtigen Treibern der digitalen Entwicklung werden. Betreiber, die ihren Nachwuchs früh an KI heranführen, schaffen nicht nur effizientere Prozesse, sondern sichern sich langfristig auch Wettbewerbsvorteile,“ erinnert Celine Dossinger.
Denn wer früh in digitale Kompetenzen investiere, profitiere mehrfach: „Teams werden entlastet, Mitglieder erleben moderneren Service, Studios positionieren sich innovativ – und Nachwuchskräfte fühlen sich stärker eingebunden,“ so die erfahrene Leiterin der IFAA-Berufsbildung.
Und sie stellt klar: „Die Zukunft des Fitnessstudios ist nicht entweder digital oder persönlich. Sie ist beides!“
Quellen