Azubis finden leicht gemacht: Azubi-Recruiting fühlt sich heute anders an als früher

Viele Betreiberinnen und Betreiber von Fitnessstudios haben den Eindruck: Früher war der Weg in die Ausbildung geradliniger. Bewerbungen kamen verlässlich und die Rollen waren klar verteilt. „Heute erleben viele Studios eine andere Realität – und die ist weniger planbar,“ so Simone Heinzen, seit vielen Jahren versierte Bewerbermanagerin bei der traditionsreichen IFAA Akademie. Aktuelle Umfragen belegen: Ausbildungsberufe stehen bei Schulabgängern nach wie vor hoch im Kurs. „…und schon ein paar Basics in der Personalarbeit helfen, die besten Bewerber/innen im Markt anzusprechen“, so Simone Heinzen.

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Aktuelle Studien: Die Ausbildung ist attraktiv
Der Bewerbermarkt lohnt den Einsatz. So heißt es in der Studie „Ausbildungsperspektiven 2025“ der Bertelsmann Stiftung: „Unter den befragten Schüler:innen stellt die Berufsausbildung sogar die beliebteste nachschulische Bildungsoption dar. 9 von 10 Schüler:innen können sich vorstellen, nach der Schule eine Ausbildung zu beginnen, mehr als 40 % haben dies fest vor.“ Und weiter: „Rund 86 % der Befragten sehen in einer Ausbildung eine gute Basis für eine berufliche Karriere. Immerhin 69 % glauben auch, dass man sich mit einer Ausbildung später einmal ein gutes Leben leisten kann.“ (Quelle: Ausbildungsperspektiven 2025 – Bertelsmann Stiftung).

Die Perspektive der jungen Menschen hat sich verändert
Das Image der dualen Ausbildung ist also stabil – was sich jedoch verändert hat, ist der Blick auf den Weg dorthin. „Viele junge Menschen fühlen sich unsicher oder schlecht orientiert,“ berichtet Simone Heinzen von den Erfahrungen ihrer langen Vermittlungstätigkeit in der Fitnessbranche. Die Bertelsmann-Studie stellt fest: „Nur ein Drittel der Befragten fühlt sich gut informiert. Über die Hälfte (51 %) beklagt hingegen, dass es zwar ausreichend Informationen zur Berufsorientierung gibt, man sich darin aber nicht zu rechtfindet.“ Von den Befragten mit niedriger Schulbildung glauben 12 % nicht daran, dass sie einen Ausbildungsplatz finden werden. Weitere 23 % sind sich nicht sicher.“ Der Mangel an Orientierung, Unsicherheit bei der Perspektive sowie zu geringe Azubi-Gehälter führen dazu, dass ein Teil der Schulabgänger zunächst sogar ohne qualifizierende Ausbildung arbeiten möchte.

Bewerberlage aus Sicht der Betriebe
Die Perspektive der Unternehmen bestätigt die Entwicklung, dass qualifizierte Bewerbungen abnehmen. In der DIHK-Ausbildungsumfrage 2025 heißt es, es „geben mittlerweile drei von vier Betrieben mit Besetzungsschwierigkeiten an, im letzten Jahr keine geeigneten Bewerbungen erhalten zu haben.“ (Quelle: DIHK Ausbildungsumfrage 2025). Für Fitnessstudios bedeutet das: Sie konkurrieren heute nicht nur mit anderen Ausbildungsbetrieben – sondern auch mit einfachen Jobs ohne Ausbildung.

Wo Ausbildungsbetriebe sich selbst im Weg stehen
Das Vorgehen beim Recruiting wird immer relevanter. In der täglichen Praxis zeigt sich: Bewerber entscheiden sich nicht nur für eine Ausbildung – sondern auch sehr bewusst für oder gegen einen Betrieb. „Ein schlechter Ruf, unpersönliche Kommunikation oder eine autoritäre Stimmung wirken abschreckend. Wird im Gespräch vor allem über Pflichten gesprochen, ohne Entwicklungsperspektiven aufzuzeigen, entsteht schnell der Eindruck, es gehe eher um Arbeitskraft als um Ausbildung“, erläutert Simone Heinzen. Gerade junge Menschen würden sensibel auf solche Signale reagieren und auch ihre Entscheidungen danach ausrichten.

Was erfolgreiche Ausbildungsbetriebe anders machen
Studios, die regelmäßig gute Azubis gewinnen, setzen der Spezialistin zu Folge auf konsequente Grundlagen wie u.a.:

  • Sichtbarkeit im eigenen Studio
  • Moderner Online-Auftritt
  • Klare Perspektiven
  • Spürbare Wertschätzung

Die Bedeutung von Orientierung wird auch in der Bertelsmann-Studie betont, die feststellt: „Nur ein Drittel der Befragten fühlt sich gut informiert.“

Was Azubis heute erwarten
Über das IFAA-Bewerberportal für die Fitnessbranche bewerben sich in Spitzenzeiten Hunderte von Schulabgängern pro Woche um Ausbildungsplätze. Aber Simone Heinzen betont: „Vor allem die ernstgemeinten Anstrengungen des Lehrbetriebs, Bewerber im direkten Umfeld selbst zu finden und die Auszubildenden und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen führt zu qualitativ hochwertigen Bewerbungen.“ Unter anderem Nähe, klare Ansprechpartner, respektvolle Kommunikation und Entwicklungsperspektiven sollten dabei im Zentrum der Personalarbeit stehen. Die Erwartungen der angehenden Azubis lassen sich zusammenfassen in:

  • Wertschätzung
  • Planbarkeit
  • Lernmöglichkeiten
  • Zukunftsperspektive

Fazit: Mehr Einsatz – mehr Bindung
Azubi-Recruiting ist anspruchsvoller geworden. Es braucht mehr Kommunikation, mehr Empathie und mehr Orientierung. Doch wer diese Investition bewusst angeht, schafft die Basis für loyale und qualifizierte Mitarbeitende. Ausbildung ist kein Kostenfaktor – sondern eine strategische Investition.

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Quellen